Wer an Ferragosto auf Sardinien nach dem einen traditionellen Gericht sucht, wird schnell merken: So einfach ist es nicht. Und genau das macht den 15. August interessant. Der Tag gehört dem gemeinsamen Freihaben, den örtlichen Festen und einem Essen, das zur Familie, zum Ort und zur sommerlichen Hitze passt.
Ferragosto lässt sich deshalb weniger über ein festes Rezept erklären als über ein Bild: Viele Menschen verbringen den Tag zusammen, fahren ans Meer oder ins Landesinnere und bringen Speisen auf den Tisch, die sich gut vorbereiten und miteinander teilen lassen.
Kurz gesagt: Ferragosto ist in Italien der 15. August. Auf Sardinien verbindet der Feiertag sommerliche Auszeit, Mariä Himmelfahrt und ganz unterschiedliche lokale Bräuche.
Was ist Ferragosto?
Der Name geht auf die lateinischen feriae Augusti, die „Augustferien“, zurück. Die sommerliche Ruhezeit wurde ursprünglich Anfang August begangen. Später fiel Ferragosto mit dem katholischen Fest Mariä Himmelfahrt am 15. August zusammen.
Bis heute ist dieser Tag für viele Menschen in Italien ein fester Punkt des Sommers. Auf Sardinien kommt hinzu, dass Städte und Dörfer ihre eigenen religiösen und weltlichen Traditionen pflegen. Deshalb gibt es nicht die eine Feier für die ganze Insel. Wer im August auf Sardinien unterwegs ist, sollte immer auch auf das Programm des jeweiligen Ortes schauen.
Einen größeren Überblick über Prozessionen, Heilige und kulinarische Traditionen findet ihr in unserem Beitrag über Festtage auf Sardinien. Für die Reiseplanung haben wir außerdem die beste Reisezeit und besondere Feste zusammengefasst.
Der Abend davor gehört in Sassari den Candelieri
Besonders eindrucksvoll zeigt sich die Festzeit in Sassari. Dort findet bereits am 14. August die Faradda di li Candareri statt, auch Discesa dei Candelieri genannt. Große hölzerne Votivkerzen werden von den historischen Berufsvereinigungen, den Gremi, durch die Stadt getragen. Begleitet von Musik bewegen sich die schweren Candelieri scheinbar tanzend durch die Straßen bis zur Kirche Santa Maria di Betlem.
Hinter dem Umzug steht ein religiöses Gelübde an die Madonna dell’Assunta. Seit 2013 gehört die Tradition gemeinsam mit ähnlichen Prozessionsfesten in anderen Teilen Italiens zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Dabei geht es nicht nur um die hölzernen Gebilde. Entscheidend sind auch das Wissen, die Vorbereitung und die Gemeinschaft, die dieses Fest von Generation zu Generation weiterträgt.
Wer die Candelieri besucht, erlebt deshalb keine beliebige Sommerveranstaltung, sondern ein religiöses und städtisches Ritual. Ein respektvoller Blick auf den Ablauf gehört genauso dazu wie die Freude an der besonderen Atmosphäre.

Was kommt an Ferragosto auf den Tisch?
Ein verbindliches Ferragosto-Gericht für ganz Sardinien gibt es nicht. Küstenorte, Bergdörfer und Familien haben unterschiedliche Gewohnheiten. Für einen sardisch inspirierten Ferragosto-Abend würden wir den Tisch deshalb unkompliziert decken: wenige gute Zutaten, Speisen zum Teilen und möglichst wenig Zeit, die jemand allein in der Küche verbringen muss.
- Zum Ankommen: knuspriges Pane Carasau, Pecorino, Oliven und eingelegtes Gemüse. Warum das dünne Hirtenbrot so besonders ist, erzählen wir im Beitrag Pane Carasau: Warum es bei keiner sardischen Mahlzeit fehlt.
- Als Mittelpunkt: eine lauwarme Fregola Sarda mit gerösteter Zucchini, Kirschtomaten, Zitrone, Kräutern und Olivenöl.
- Dazu: ein gereifter Pecorino Moliterno Vignaiolo und für Erwachsene ein gut gekühlter Karmis aus Vermentino und Vernaccia.
- Zum Abschluss: frisches Sommerobst – leicht, erfrischend und unkompliziert.
Unsere Fregola für einen langen Sommerabend
Für vier Personen kocht ihr etwa 300 Gramm Fregola nach Packungsangabe bissfest. Zwei kleine Zucchini werden kräftig angebraten, 250 Gramm Kirschtomaten nur kurz erwärmt. Lasst die Fregola etwas abkühlen und mischt sie anschließend mit dem Gemüse, Zitronenabrieb, etwas Zitronensaft, Olivenöl und frischen Kräutern. Wenn Pecorino dazukommt, braucht es meist nur wenig zusätzliches Salz.
Unser Tipp: Fregola, Gemüse und Dressing lassen sich getrennt vorbereiten. Mischt alles erst kurz vor dem Essen. So bleibt die Pasta bissfest und niemand muss den schönsten Teil des Abends in der Küche verbringen.
Am Ende zählt der gemeinsame Tisch
Ferragosto zeigt schön, wie vielfältig Sardinien ist. Nicht jede Familie feiert gleich, und nicht in jedem Ort kommt dasselbe Essen auf den Tisch. Wer diese Unterschiede respektiert, kommt der Insel näher als mit einer starren Liste vermeintlich „typischer“ Gerichte.
Was überall verständlich ist: sich Zeit nehmen, miteinander essen und den Sommer für einen Moment Sommer sein lassen. Genau dafür braucht es kein überladenes Menü. Pane Carasau, Fregola, ein guter Pecorino und Menschen, mit denen man gern am Tisch sitzt, reichen vollkommen.
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