Gereifter Schafskäse mit dunkler Rinde, Pane Carasau und Birne auf einem Holzbrett.

Fiore Sardo und Pecorino: Ist das derselbe Käse?

Sardinien Zuhause

Ein Stück kräftiger Schafskäse, ein paar Splitter Pane Carasau. Schon hast du einen perfekten sardischen Snack.

Doch auf dem Etikett steht einmal Pecorino, einmal Fiore Sardo. Sind das verschiedene Käsesorten oder nur unterschiedliche Namen?

Wir erklären euch, was Fiore Sardo besonders macht und wie ihr ihn in der Küche verwendet.

Was ist Fiore Sardo?

Fiore Sardo DOP ist ein sardischer Hartkäse aus frischer, voller Schafsrohmilch.

Die Milch stammt von Schafen der Rasse Sarda aus Sardinien. Für die Gerinnung wird Lamm- oder Zickleinlab verwendet. Die geschützte Ursprungsbezeichnung DOP steht für „Denominazione di Origine Protetta“ und bindet den Käse an sein festgelegtes Herkunftsgebiet und Herstellungsverfahren.

Typisch sind ein weißer bis strohgelber Teig und eine kräftige Rinde, die mit der Reifung dunkler werden kann. Jüngere Stücke sind kompakter, länger gereifter Käse wird zunehmend körnig und mürbe.

Sein Geschmack ist würzig, mit zunehmender Reife auch pikant. Eine traditionelle leichte Räucherung kann eine zusätzliche aromatische Note geben; wie deutlich sie ausfällt, hängt vom jeweiligen Käse ab.

Ist Fiore Sardo dasselbe wie Pecorino?

Fiore Sardo ist ein Pecorino – aber Pecorino ist nicht automatisch Fiore Sardo.

„Pecorino“ bezeichnet eine Familie italienischer Schafskäse.

Fiore Sardo DOP ist eine bestimmte Spezialität innerhalb dieser Familie. Pecorino Sardo DOP und Pecorino Romano DOP sind dagegen eigenständige geschützte Käsesorten.

Bezeichnung Was steckt dahinter?
Pecorino Oberbegriff für italienischen Schafskäse; allein noch keine genaue Sortenangabe.
Fiore Sardo DOP Sardischer Schafsrohmilchkäse mit eigenständigem Herstellungsverfahren.
Pecorino Sardo DOP Separate sardische DOP mit den Varianten Dolce und Maturo.
Pecorino Romano DOP Separate DOP aus Sardinien, Latium oder der Provinz Grosseto.


Die gemeinsame Herkunft aus Sardinien macht diese Käse also nicht identisch.

Wenn ihr genauer vergleichen möchtet, findet ihr die Unterschiede zwischen den beiden anderen DOP-Sorten in unserem Beitrag Pecorino Sardo oder Pecorino Romano.

Was macht seine Herstellung besonders?

Bei Fiore Sardo kommen zwei Dinge zusammen:
Rohmilch und eine nicht gekochte Käsemasse.

Das italienische „pasta cruda“ bezieht sich auf den Käsebruch, der nicht wie bei anderen Hartkäsen nacherhitzt wird. Die Rohmilch beschreibt dagegen den Ausgangsstoff. Beides sollte man nicht miteinander verwechseln.

Nach dem Formen und Salzen folgen traditionell das Trocknen, eine leichte Räucherung und die Reifung.

Der Fiore Sardo der Hirten ist besonders mit der Barbagia verbunden. Das gesamte DOP-Erzeugungsgebiet umfasst jedoch Sardinien, nicht nur diese Region. Auch ist nicht jeder Fiore Sardo DOP automatisch Teil des gesonderten Slow-Food-Presidiums „Fiore sardo dei pastori“.

Ein häufiger Irrtum betrifft den Vergleich mit Romano:
Pecorino Romano wird nicht grundsätzlich aus pasteurisierter Milch hergestellt. Das zuständige Konsortium beschreibt die Verarbeitung von roher oder thermisierter Schafsmilch. Für den Unterschied zwischen den Sorten reicht die einfache Formel „Rohmilch gegen pasteurisiert“ deshalb nicht aus.

Basilikumpesto neben gereiftem Schafskäse und einem Teller mit frisch geriebenem Käse.

Warum heißt er „sardische Blume“?

„Fiore Sardo“ lässt sich als „sardische Blume“ übersetzen.

Eine überlieferte Erklärung verweist auf frühere Holzformen:
In deren Boden waren Blumen eingeschnitzt, die sich auf dem Käse abzeichneten und den Hersteller erkennbar machen konnten.

Eine weitere Erklärung verbindet den Namen mit der historischen Verwendung von Distelblüten zur Milchgerinnung.

Slow Food nennt beide Überlieferungen. Eine einzige, zweifelsfrei gesicherte Namensherkunft lässt sich daraus nicht ableiten.

Wie isst man Fiore Sardo – und passt er zu Pesto?

Zum Kennenlernen würden wir ihn zunächst pur probieren: in kleinen Stücken, mit Pane Carasau und etwas Birne.
So könnt ihr selbst schmecken, wie kräftig und rauchig das konkrete Stück ist.

Für Pesto alla Genovese ist Fiore Sardo eine traditionelle Wahl. Die Rezeptur der Pesto-Weltmeisterschaft in Genua kombiniert ihn mit Parmigiano Reggiano, Basilikum, Pinienkernen, Knoblauch, Salz und Olivenöl. Er ist dort also keineswegs nur ein neuer „Geheimtipp“.

Gereifter Fiore Sardo eignet sich außerdem zum Reiben über Pasta oder Gemüsegerichte.

Weitere Anregungen findet ihr bei unseren Rezepten mit Pecorino. Fehlt er in der Küche, könnt ihr je nach Gericht einen anderen gereiften Pecorino verwenden. Erwartet dabei keinen identischen Geschmack und schmeckt erst nach der Käsezugabe mit Salz ab.

Rinde, Laktose und Lab: Was solltet ihr wissen?

Darf die Rinde mitgegessen werden?
Verlasst euch auf die Angaben des Herstellers. Die dunkle Farbe allein beantwortet die Frage nicht. Eine veröffentlichte Fiore-Sardo-Produktspezifikation kennzeichnet die Rinde ausdrücklich als nicht essbar. Entfernt sie, wenn sie entsprechend deklariert ist; fehlen Angaben, fragt vor dem Mitessen nach.

Ist Fiore Sardo laktosefrei?
Eine pauschale Zusage machen wir nicht. Prüft die ausdrückliche Kennzeichnung oder einen belastbaren Nachweis zum konkreten Produkt. Aus der Bezeichnung „Hartkäse“ oder einer langen Reifezeit allein solltet ihr keine garantierte Laktosefreiheit ableiten.

Ist Fiore Sardo vegetarisch?
Wegen des vorgeschriebenen Lamm- oder Zickleinlabs ist Fiore Sardo DOP für eine vegetarische Ernährung, die tierisches Lab ausschließt, nicht geeignet.

Wenn ihr seinen Charakter selbst kennenlernen möchtet, findet ihr bei uns BIO Fiore Sardo DOP aus sardischer Schafsrohmilch.

Unser Vorschlag für die erste Kostprobe: erst pur, dann auf Brot und beim nächsten Mal frisch ins Pesto gerieben.

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