Wer Sardinien nur mit Stränden verbindet, erlebt im Herbst eine andere Seite der Insel. In den Dörfern des Landesinneren öffnen sich Türen und Höfe, aus Backstuben duftet es nach Brot, und zwischen Werkstätten, kleinen Ausstellungen und Musik wird sichtbar, wie eng Essen und Alltag zusammengehören.
Autunno in Barbagia ist kein einzelnes Fest an einem festen Ort. Es ist eine Veranstaltungsreihe, bei der nacheinander zahlreiche Orte in der Barbagia ihre historischen Häuser und Innenhöfe öffnen. Diese Cortes Apertas – wörtlich „offene Höfe“ – geben Einblick in lokale Küche, Handwerk und Traditionen. Wer hinfährt, besucht also nicht nur einen Markt, sondern immer ein bestimmtes Dorf mit seinem eigenen Programm.
Was bedeutet Autunno in Barbagia?
Die Barbagia liegt im gebirgigen Inneren Sardiniens. Sie ist geprägt von kleinen Orten, Steinbauten, Werkstätten und einer Küche, in der Käse, Brot, Fleisch- und Wurstspezialitäten, Süßes und Wein eine wichtige Rolle spielen. Einen ersten Überblick über die Region findet ihr auch in unserem Beitrag über Sardinien und seine kulinarischen Reisezeiten.
Während des Autunno in Barbagia zieht die Veranstaltung von Ort zu Ort. Für 2026 nennt der offizielle Kalender den Zeitraum vom 5. September bis 13. Dezember. An manchen Wochenenden nehmen mehrere Dörfer gleichzeitig teil. Termine und Programme ändern sich von Jahr zu Jahr – deshalb lohnt sich vor der Fahrt immer ein Blick in den aktuellen Veranstaltungskalender.
Wie entstanden die offenen Höfe?
Der Ausgangspunkt war Oliena. Dort organisierte die Gemeinde 1996 erstmals „Cortes Apertas“: Historische Häuser öffneten ihre Höfe für einen kulinarischen und künstlerischen Rundgang. Die Idee wurde weiterentwickelt, 1997 in das Projekt „Cuore della Sardegna“ aufgenommen und ab 2001 als gemeinsames Netzwerk mehrerer Gemeinden und der Handelskammer ausgebaut. Daraus entstand der Name Autunno in Barbagia.
Der Hof ist dabei mehr als eine hübsche Kulisse. Er verbindet Wohnhaus und Dorfleben mit dem, was vor Ort hergestellt wird. Besucherinnen und Besucher können zusehen, wie Lebensmittel oder Handwerksstücke entstehen, sie probieren und direkt mit den Menschen sprechen, die daran arbeiten.
Was wird gezeigt und gegessen?
Ein einheitliches Menü gibt es nicht. Jedes Dorf setzt eigene Schwerpunkte, und genau das macht die Reihe interessant. Die Programme reichen von Brotbacken, Käseherstellung und traditionellen Süßspeisen bis zu Weberei, Holzarbeiten, Musik, Ausstellungen und Führungen.
Wie konkret das aussehen kann, zeigen zwei Programme aus dem Jahr 2026: In Meana Sardo werden unter anderem verziertes Brot, Pani ’e Saba sowie die Herstellung von Käse und Ricotta vorgeführt. Tonara beschreibt seine Etappe als kulturellen und kulinarischen Rundgang mit frisch zubereiteten lokalen Speisen, Torrone, Brot, Süßgebäck, geschnitztem Holz und Textilien. Eine gute Einführung in viele dieser Lebensmittel bietet unser Überblick über sardische Spezialitäten.

So plant ihr euren Besuch
Wählt zuerst den Ort, nicht nur das Wochenende. Ein Dorf kann den Schwerpunkt auf Brot und Käse legen, ein anderes auf Textilien, Musik oder Archäologie. Das veröffentlichte Programm zeigt meist auch Vorführungen, Führungen und Hinweise zur Anreise.
- Programm prüfen: Achtet auf feste Uhrzeiten für Back-, Käse- oder Handwerksvorführungen.
- Genug Zeit lassen: Die Höfe liegen oft über den historischen Ortskern verteilt und werden zu Fuß besucht.
- Anreise klären: Prüft Parkplätze, Straßensperren und mögliche Shuttle-Angebote direkt bei der jeweiligen Gemeinde.
- Offen probieren: Erwartet kein identisches Angebot in jedem Ort. Die Spezialitäten gehören zum jeweiligen Dorf und zur jeweiligen Ausgabe.
So wird aus dem Besuch kein hastiger Rundgang von Stand zu Stand, sondern ein Tag, an dem Küche, Handwerk und Ortsgeschichte miteinander verständlich werden.
Ein Stück Barbagia für zu Hause
Die offenen Höfe lassen sich natürlich nicht nachbauen. Zwei einfache Geschmäcker bringen die Verbindung von Brot und Käse aber gut auf den Tisch: knuspriges Pane Carasau aus Sardinien und ein milder Bio Pecorino Novello. Serviert beides mit Oliven, Trauben oder einem Löffel Honig – schlicht, ohne den Teller zu überladen.
Warum das dünne Brot so besonders ist, erklären wir ausführlich im Beitrag über Pane Carasau. Und wer den Käse genauer kennenlernen möchte, findet im Artikel über Pecorino Sardo Herkunft, Geschmack und Verwendung. Autunno in Barbagia zeigt, wo solche Lebensmittel hingehören: nicht isoliert ins Regal, sondern an einen Tisch, in einen Ort und in eine lebendige handwerkliche Tradition.
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